Zur Dialektik des Fortschritts

Meine Gedanken zum italienischen Futurismus, die ich im Rahmen eines Textes mit dem Titel „,Mit immer gebrechlicheren Schritten schreite ich meiner Wiege entgegen…‘ – Zur Dialektik des Fortschritts im italienischen Futurismus“ zusammen getragen habe, will ich dem interessierten Leser hier zugänglich machen.
Die Arbeit betrachtet die Avantgardebewegung unter dem Blickpunkt der in seinen Manifesten vermittelten Verdinglichungsstruktur. Dabei ist sie maßgeblich beeinflusst von Georg Lukács‘ Essay „Die Verdinglichung und das Bewußtseins des Proletariats“, der 1923 im Sammelband „Geschichte und Klassenbewußtsein. Studien über marxistische Dialektik“ erschien.
Hierbei vertrete ich den Ansatz einer kritisch-materialistischen Wendung von ästhetischer Theorie, der es vermag, den unbewussten, destruktiven Dispositionen des fiktiven Ich die Einsicht zu entlocken, die es selbst sich nicht eingesteht. Ebenso, wie der Protagonist sich gewissermaßen fremd gegenüber steht, findet eben jene Entfremdung auch in seiner empirischen Entsprechung – in der konkreten Lebenswelt eines jeden – ihren Ursprung zuletzt in den konkreten materiellen Lebensbedingungen. Die geknechteten Subjekte wähnen sich dem negativen Souverän des Kapitals gegenüber ohnmächtig, das sie doch selbst unweigerlich und dabei wesentlich unwillentlich, unbewusst auf immer höherer Stufe reproduzieren: „Sie wissen das nicht, aber sie tun es.“ (Marx) In der besinnungslosen, todbringenden Raserei des Protagonisten verweist das futuristische Kunstwerk auf sein gesellschaftliches Substrat: die moderne kapitalistische Industriegesellschaft im Bann der unendlichen, bestimmungslosen Dynamik der Mehrwertproduktion, inmitten derer der Mensch verkümmert
Es sei die Verdunkelung der Welt, schreibt Adorno in der „Ästhetischen Theorie“, die „die Irrationalität der Kunst rational“ mache. Diesen Umstand also gilt es zu interpretieren und nicht Sinn da zu rekonstruieren, wo das Kunstwerk selbst ihn negiert.

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Ergänzend sei hier auf das „Manifest des Futurismus“ von F.T. Marinetti und „Der multiplizierte Mensch und das Reich der Maschine“ verwiesen.