Das Mögliche im Wirklichen

„Im allgemeinen stellt sich die Entwicklung des Realitätssinnes als eine Reihe von Verdrängungsschüben dar, zu denen der Mensch (…) durch die Not, durch Anpassung erheischende Versagung gezwungen wird.“

- Sándor Ferenczi: „Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes“, in: „Bausteine zur Psychoanalyse“, Bd. I., 1964, S. 62-83, hier : S. 81.

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„Die Wirklichkeit ist diejenige Möglichkeit, die auf Kosten aller anderen Möglichkeiten realisiert wurde; doch bleiben die verdrängten Möglichkeiten auch in der ihnen aufgezwungenen Latenz aktiv und warten auf eine Chance, der Realität die Herrschaft streitig zu machen. Auch der Wirklichkeitssinn entwickelt sich auf Kosten des Möglichkeitssinns, also der konkreten Phantasie, die im Souterrain der sozialen Welt, wie sie gegenwärtig ist, unablässig nach Gelegenheiten sucht, sie zu verändern. Der Möglichkeitssinn entkleidet die Lebens- und Sozialgeschichte ihres Naturscheins, dechiffriert ihre Institutionen als gewordene, nur bedingt geltende, und antizipiert deren Veränderung.“

- Helmut Dahmer: „Holocaust, Psychoanalyse, Utopie“, 2009, S. 425.


1 Antwort auf „Das Mögliche im Wirklichen“


  1. 1 The german way of Scheitern « Linsentrug Pingback am 02. Dezember 2010 um 14:30 Uhr
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